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01Technologie

Die absurde Software-Panne in Bremerhaven

In Bremerhaven sitzen Stadtbeschäftigte ohne Geld. Eine kuriose Software-Panne offenbart die Absurdität der Digitalisierung. Fragen nach Verantwortung und Lösungen drängen sich auf.

Leonie Zimmermann14. Juni 20262 Min. Lesezeit

Man könnte fast darüber lachen, wenn es nicht so tragisch wäre: In Bremerhaven sitzen Stadtbeschäftigte monatelang ohne Gehalt, und das ausgerechnet wegen einer Software-Panne.

Die Geschichte ist so absurd, dass man meinen könnte, sie sei einem dystopischen Roman entsprungen. Aber hier sind wir und stellen uns die Frage: Wie kann es sein, dass die Digitalisierung gelegentlich mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert?

Die erste Frage, die sich jeder stellt, ist natürlich, wie es zu einem solchen Chaos kommen kann. Ein Blick auf die Technologielandschaft zeigt, dass viele Kommunen diesbezüglich eine eher fragwürdige Beziehung zu ihren Systemen pflegen. Oftmals werden Softwarelösungen von externen Anbietern in Auftrag gegeben, die sich als unzuverlässig herausstellen können. Im Fall Bremerhaven hat man anscheinend nicht nur auf das falsche Pferd gesetzt, sondern auch darauf gewettet, dass es bis zum ersten Zahlungstag schon irgendwie klappen würde. Der Frust der Angestellten ist mehr als verständlich. Wer will schon für seine Arbeit nicht entlohnt werden, und das auch noch, während man in einem digitalen Zeitalter zu leben glaubt, in dem alles sofort verfügbar sein sollte?

Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Aspekt ist die Frage der Verantwortlichkeit. Wer ist schuld an diesem Missgeschick? Ein Softwaredienstleister, der seinen Vertrag nicht erfüllt hat, oder die Stadtverwaltung, die möglicherweise zu sorglos in der Auswahl ihrer Partner war? In Zeiten, in denen immer mehr Verantwortungen an Dritte ausgelagert werden, ist es leicht, den Überblick zu verlieren. Statt Lösungen zu finden, scheint man damit beschäftigt, das Problem von einem Schreibtisch zum nächsten zu schieben. Die Mitarbeiter sind hier die Leidtragenden, absurderweise virtuell entlohnt, aber praktisch leer ausgegangen.

Natürlich könnte man einwenden, dass Softwarefehler in jedem Unternehmen passieren können und dass die Stadtverwaltung nicht als Einzige dafür verantwortlich ist. In der Tat gibt es viele Fälle in der freien Wirtschaft, in denen Softwareprobleme zu ähnlichen Situationen geführt haben. Allerdings sollte eine Stadtverwaltung, die mit Steuergeldern arbeitet, über eine höhere Verantwortung verfügen. Es sind nicht nur die Angestellten, die leiden; auch die Bürger haben ein Recht auf eine funktionierende Verwaltung. Die Asymmetrie zwischen den Anforderungen der digitalen Welt und der Realität, in der solche Fehler passieren, ist ein soziales Problem, das nicht ignoriert werden kann.

Es bleibt zu hoffen, dass Bremerhaven aus dieser Situation lernt und die notwendigen Schritte unternimmt, um solche Pannen in Zukunft zu vermeiden. Vielleicht sollte man einfach einmal darüber nachdenken, ob es klüger wäre, einen Teil der digitalen Transformation auch intern zu gestalten, anstatt alles an externe Anbieter zu vergeben. Denn wenn die Stadtverwaltung nicht einmal dazu in der Lage ist, die Gehälter ihrer Angestellten pünktlich zu zahlen, wie sollen wir dann erwarten, dass sie komplexe digitale Herausforderungen meistert? Die Panne wird noch lange für Gesprächsstoff sorgen, aber es ist höchste Zeit, dass daraus auch konkrete Maßnahmen abgeleitet werden – für die Angestellten und die Bürger von Bremerhaven sowie für die Zukunft der digitalen Verwaltung insgesamt.

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